Schlagwort-Archiv: immune2day

9 Fragen an immune2day, den Gesamtsieger des Elevator Pitch BW 2014/15

Das Gründerteam von der Universität Freiburg, immune2day, hat am 18.06.2015 den 1. Platz beim Landesfinale des Elevator Pitch BW 2014/15 belegt. Überzeugt hat das Team die Jury mit seiner Geschäftsidee eines Fotokopierers, mit dem man Biomoleküle kopieren kann. Bei der Anwendung füttert man die DNA eines Virus in das Gerät ein und kann so innerhalb von zwei Tagen einen potentiellen Impfstoff finden und mit dessen Produktion beginnen.

Immune2day hat sich in der zweiten Runde gegen insgesamt 240 Bewerber durchgesetzt. Welche Erfahrungen hat das Team gemacht, welche Vorteile hat der Elevator Pitch BW geboten und wie hat sich ihre Geschäftsidee weiterentwickelt? Diese und einige andere Fragen haben wir in einem interessanten Interview mit dem Startup für Euch herausgefunden.

20700794733_f2e2640bec_o

Glückliche Sieger: immune2day freut sich über den 1. Platz beim Landesfinale in Stuttgart.

1. Wie seid ihr auf den Elevator Pitch BW aufmerksam geworden?

Wir haben im Dezember 2014 im Rahmen des Business-Plan-Wettbewerbs StartInsLand in Freiburg zum ersten Mal gepitcht. So haben wir begonnen, uns mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wir sind dann auf den Elevator Pitch BW gestoßen und haben uns direkt beworben.

2. Was war Eure Motivation, am Wettbewerb teilzunehmen? Wie waren Eure Erwartungen?
Zunächst wollten wir einfach sehen wie wir uns schlagen. Da unser Teamleader Dr. Günter Roth aus der Nähe von Stuttgart kommt, hat er sich beim Regional Cup Stuttgart zuerst alleine in die Vorrunde gewagt. Das Ziel war vor allem, Erfahrung für weitere Pitches zu sammeln. Das hat dann auch ganz gut geklappt. Für den Auftritt beim Landesfinale hat sich natürlich das gesamte Team vorbereitet und an dem Pitch gefeilt. Unser Anspruch war es, einen überzeugenden Auftritt abzuliefern. Dass wir das Finale gewinnen, hätten wir nie gedacht, da unsere Geschäftsidee recht technisch und bio-lastig ist und dadurch inhaltlich nicht jeden anspricht. Wir wollten aber den Leuten außerhalb der Branche zeigen was wir so machen.

3. Konntet ihr vor dem Wettbewerb bereits Erfahrungen im Pitchen sammeln? Falls ja, in welchem Rahmen?
Der Pitch in Freiburg im Rahmen von StartInsLand, war unsere Erstlingserfahrung. Danach kam der Pitch beim Regional Cup in Stuttgart, gefolgt vom Landesfinale. Leider war es uns nicht möglich das Pitchcoaching wahrzunehmen. Wir haben dann im Internet recherchiert und in einer kleinen Gruppe geübt. Auch das iGEM-Team hat uns sehr in der Vorbereitung des Auftritts unterstützt. In diesem Zusammenhang noch einmal vielen Dank für die Hilfe! Dafür haben wir auch einen Teil des Preisgeldes in deren Reise nach Boston zum Finale des iGEM-Wettbewerb am 29.09.15 gespendet. Das Team kopiert auch, macht aber Bluttests anstatt Impfstoffe.

4. Wie schätzt ihr die Wichtigkeit eines überzeugenden Pitchs für die frühe Phase eines Unternehmens ein?
Training und Wortwahl ist unserer Meinung nach immens wichtig. Je öfters man pitcht, umso einfacher tut man sich später in Verhandlungen. Gerade bei Naturwissenschaftlern ist „pitchen“ nicht üblich. Wir versuchen in unseren Aussagen möglichst exakt zu sein und die Sache im Detail zu erklären, was wiederum die meisten Menschen, darunter Wissenschaftler eher abschreckt als begeistert. Pitchen ist für uns lernen die anderen zu begeistern.

17334440179_33e00dd509_k
Dr. Günter Roth beim regionalen Vorentscheid in Stuttgart am 08.05.2015 im Club Kowalski

5. Was hat Euch am Wettbewerb besonders gut gefallen?
Die Stimmung, die Organisation und auch die Chance mit anderen zusammen zu kommen. Aber auch zu lernen, wie die anderen Teams so eine Aufgabe angehen. Und natürlich fanden wir es auch toll zu gewinnen. Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet, das Landesfinale zu gewinnen. Nachdem unsere persönlichen Favoriten weder auf Platz 3 und 2 waren, haben wir viele andere auf Platz 1 gesehen. Wir waren schon auf dem Weg zur Bar um eine Tröstcola zu bestellen. Umso schöner war der überraschende Sieg.

6. In welcher Hinsicht hat der Wettbewerb Eure Geschäftsidee/Euer Unternehmen vorangebracht?
Der Zugang zur Öffentlichkeit brachte und bringt viele Chancen. Nach der Pitch-Vorrunde haben sich bereits erste Investoren bei uns gemeldet. Mit diesen sind wir weiterhin in Verhandlung. Dank des Elevator Pitch BW gibt es wahrscheinlich bald eine Firma – BioCopy. immune2day wird eine Produktlinie des Unternehmens sein. Ohne den Elevator Pitch BW wären wir nicht da, wo wir heute sind.

7. Welche Herausforderungen musstet ihr während der Gründung meistern?
Da wir noch in der Gründungsphase sind, müssen wir die Verhandlungen mit den Investoren neben dem normalen Arbeitsalltag führen. Das ist natürlich schon ein gewisser Stress. Wir glauben an unsere Geschäftsidee, das motiviert uns. Es wird sicher noch einige Herausforderungen wie Gesellschafterverträge, Marktregularien etc. geben, aber wir sind sicher, dass wir das hinkriegen werden. Auch die Verteilung der Anteile – wer bekommt welche Anteile der Firma, und hat welche Rechte und Pflichten – ist in einem acht bis zehn Personen Team etwas schwieriger, als wenn man z. B. nur zu zweit ist. Wir haben Großes vor, daher rechnen wir beständig mit Herausforderungen. Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr von einer Firmengründung erzählen dürfen, die 10 Mitarbeiter ernährt.

8. Welche Tipps könnt ihr jungen Gründern geben?
Wenn ihr an Eure Idee glaubt und zudem eine gute Vorstellung habt, wie ihr das an den Markt bringt, dann lasst Euch nicht aufhalten oder klein machen. Einfach mit ganzem Herzen mitmachen, das überzeugt oft mehr als ein Businessplan bis 2030. Als Gründer braucht man viel Ausdauer. Auch wir sind erst am Anfang des Weges. Menschen in seinem Arbeitsumfeld zu unterstützen, trägt zudem langfristig oft ungeahnte Früchte.

9. Wie sehen Eure zukünftigen Schritte aus?
Wir versuchen nun das Geld für die Gründung und die ersten vier Jahre zusammen zu bekommen. Weiterhin unterstützen wir das iGEM-Team, das unseren Kopierer nutzt, um bekannte Impfstoffe für Blutanalysen einzusetzen. Soviel können wir bereits verraten: Das Vorhaben sieht erfolgsversprechend aus. Sobald das Geld zusammen ist, geht es an den Gesellschaftervertrag und dann „basteln“ wir 2 bis 4 Jahre an unserem Verfahren, um dann in 2 Tagen den Impfstoffkandidaten liefern zu können.

Vielen Dank für das interessante Interview und viel Erfolg für Eure Zukunft! 

PS: Das Team von immune2day freut sich übrigens jederzeit über interessierte Besucher und heißt diese in der Habsburgerstraße 49 in 79104 Freiburg, direkt neben dem Botanischen Garten, herzlich willkommen.